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2024–

Archipelagos

Den Gebirgshummeln geht es ähnlich wie chinesischen Industrie-Ameisen. Schwerabbaubare Schadstoffe, beispielsweise als Pflanzen- und Flammschutzmittel eingesetzt, hinterlassen ihre Spuren bis heute – eine Herausforderung für die Biodiversität und deren Bewohner in den Alpen.

«Der Frühling ist da, doch seine traditionellen Boten – Vögel, Blumen – fehlen. Sie sind durch eine unsichtbare Kraft zum Schweigen gebracht, und die Natur, die einst doch so lebendig war, bleibt stumm.» So beschrieb die Biologin Rachel Carson die beunruhigende Stille des Frühlings bereits im Jahr 1962. In ihrem Werk «Silent Spring» (Der stumme Frühling) warnte sie eindringlich vor den schädlichen Auswirkungen von Pestiziden auf die Umwelt und prangerte die weitverbreitete Anwendung von Chemikalien an. Carson betonte, dass dies über kurz oder lang nicht nur die Natur, sondern auch die Gesundheit der Menschen gefährden würde. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Ausführungen lag auf der Bedrohung durch persistente, schwer abbaubare Schadstoffe, die auch als POPs bekannt sind. Die Veröffentlichung dieses Buches löste in den USA hitzige Debatten aus. Erstaunlicherweise vergingen jedoch weitere vierzig Jahre, bis im Jahr 2004 eine internationale Übereinkunft, die Stockholmer Konvention, unterzeichnet wurde, die die Verwendung einiger besonders besorgniserregender Klassen von POPs weltweit verbot.

© Brutalium Studio

Wie wird, frage ich mich, während ich die historischen Fotos mit dem aktuellen Gletscherstand vergleiche, seine Zukunft aussehen? Wird an der Stelle, an der Coaz und Neni einst über scheinbar ewiges Gletschereis schritten, bald ein Touristenressort entstehen? Oder werden wir eines Tages vielleicht Coaz’ und Nenis Spuren in einem Ruder- oder Motorboot folgen: wenn ein Staudamm gebaut, das Tal geflutet und ehemals gefrorenes Wasser substituiert wird durch geschmolzenes Eis? Das würde zum gegenwärtigen Rückzug der Kryosphäre, der Welt des Eises, in eine allgegenwärtige Hydrosphäre, der Welt des Wassers, passen. Oder, wie der Hüttenwart der Bovalhütte sarkastisch meinte: Führt vielleicht schon bald eine Wasserrutschbahn von der Hütte in einen See im Gletschervorfeld? Es zeigt sich: Genauso wie die ehemals mythische Natur hat auch das scheinbar ewige Eis seit der Moderne eine Geschichte bekommen.

Wie wird, frage ich mich, während ich die historischen Fotos mit dem aktuellen Gletscherstand vergleiche, seine Zukunft aussehen? Wird an der Stelle, an der Coaz und Neni einst über scheinbar ewiges Gletschereis schritten, bald ein Touristenressort entstehen? Oder werden wir eines Tages vielleicht Coaz’ und Nenis Spuren in einem Ruder- oder Motorboot folgen: wenn ein Staudamm gebaut, das Tal geflutet und ehemals gefrorenes Wasser substituiert wird durch geschmolzenes Eis? Das würde zum gegenwärtigen Rückzug der Kryosphäre, der Welt des Eises, in eine allgegenwärtige Hydrosphäre, der Welt des Wassers, passen. Oder, wie der Hüttenwart der Bovalhütte sarkastisch meinte: Führt vielleicht schon bald eine Wasserrutschbahn von der Hütte in einen See im Gletschervorfeld? Es zeigt sich: Genauso wie die ehemals mythische Natur hat auch das scheinbar ewige Eis seit der Moderne eine Geschichte bekommen.

Video excerpt shown in the exhibitions. Archipelagos, 2024 © Brutalium Studio
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Project details
Status Planning
Areas of research Sand time, Dune
Planning started 2024
Event date 2024—
Downloads Dossier (PDF 100kb)

Planning and Realization
Director: Jason Brutalium
Project Management: Juan K Rojas
Team: Franziska Ebeler, Sophia Martinetz, Sönke Reteike, David Czepek

Collaborators and Consultants
Glacier sound mapping: Dr Name Lastname, University of Canada
Sound composition: Vanessa Mayorga

Photography
Brutalium Studio